Die Auswertung der vom WHO-Regionalbüro für Europa in Zusammenarbeit mit dem Europäi-schen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erhobenen Sur-veillance-Daten ergab, dass die HIV-Raten in Estland, Kasachstan, Lettland, Portugal, der Repu-blik Moldau, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich am höchsten sind. (Aus Dänemark, Liechtenstein, Monaco, Österreich, der Russischen Föderation und der Türkei lagen keine Daten vor.)

Nach den neuen Zahlen entfallen ca. 13% aller Neuinfektionen auf junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren und 35% auf Frauen. Von den Neuinfizierten leben gut 25 000 im östlichen Teil der Region, wo die gemeldete HIV-Rate bei 179 Fällen pro 1 Mio. Einwohner liegt. Damit ist sie nahezu doppelt so hoch wie im westlichen und rund zehnmal so hoch wie im mittleren Teil der Region.

2008 wurde bei 7565 Menschen in der Region Aids diagnostiziert, so dass die Gesamtzahl der Diagnosen mittlerweile auf 342 768 angestiegen ist. (Aus Dänemark, Kasachstan, Liechtenstein, Monaco, der Russischen Föderation, Schweden und der Türkei lagen keine Daten vor.) Experten warnen jedoch, dass diese Zahl aufgrund von Meldelücken vor allem im östlichen Teil der Regi-on tatsächlich deutlich höher liegt.

Die erhobenen Daten sind nach Alter, Geschlecht und Art der Übertragung aufgeschlüsselt. Nach Ansicht der Experten ist aus dem Bericht gut ersichtlich, in welchen Bevölkerungsgruppen sich die Epidemie weiter ausbreitet, wie die Übertragung erfolgt und in welchen Bereichen die Prä-vention forciert werden muss.

Die in dem Bericht enthaltenen Daten bestätigen Prognosen, nach denen sich HIV auch weiterhin durch intravenösen Drogenkonsum, Geschlechtsverkehr zwischen Männern sowie heterosexuelle Kontakte ausbreiten wird. Im östlichen Teil der Europäischen Region ist intravenöser Drogen-konsum nach wie vor die häufigste Art der HIV-Übertragung, während im mittleren und westli-chen Teil der Region Geschlechtsverkehr zwischen Männern der häufigste Übertragungsweg ist, gefolgt von heterosexuellen Kontakten.

Auch hier bestätigen die Daten wieder, dass die HIV-Epidemie im östlichen Teil der Region oh-ne umfassende Präventionsstrategien für intravenöse Drogenkonsumenten (mit Schadensbegren-zungsmaßnahmen wie Opioidsubstitutionstherapie und Nadel- und Spritzentauschprogrammen) nicht wirksam bekämpft werden kann.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie müssen evidenzbasiert sein und den Bedürfnis-sen der Länder bzw. geografischen Gebiete gerecht werden, in denen sie umgesetzt werden. „Die HIV-Epidemie in der Europäischen Region ist nach wie vor sehr vielgestaltig, und wir müssen weiterhin ihre Trends aufmerksam verfolgen und die Reaktion des Gesundheitswesens sorgfältig evaluieren. Die Daten aus der HIV/Aids-Surveillance sind hierbei unverzichtbar, und die WHO empfiehlt allen Mitgliedstaaten nachdrücklich, ihre Surveillance-Systeme zu stärken“, sagt Dr. Nata Menabde, Stellvertretende Regionaldirektorin beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Mit leistungsfähigen Surveillance-Systemen und einer verbesserten und präziseren Datenerhe-bung können wir die HIV-Epidemie durch geeignete Maßnahmen zur Verwirklichung eines all-gemeinen Zugangs zur HIV-Prävention bzw. zur Therapie, Versorgung und Betreuung der Be-troffenen wirksamer bekämpfen.“